Ihr Lieben…
Ein paar Tage Urlaub können Balsam für die Seele sein – auch wenn man liebt, was man tut. Das habe ich in der Corona-Zeit leider auf die harte Tour lernen müssen. 12 bis 14 Stunden Arbeit pro Tag, über Monate. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch zu einem späteren Zeitpunkt erzähle.
Heute geht es um den Urlaub, um das, was ich dabei beobachtet habe – und warum mich genau diese Beobachtungen zu diesem Blogbeitrag inspiriert haben.
Und bevor ich anfange: Ich bin niemand, der belehren oder missionieren möchte. Jeder darf, kann und soll sein Leben so führen, wie er es für richtig hält – und das gilt selbstverständlich auch für die Erziehung der eigenen Kinder. Deswegen geht es hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufklärung. Denn wenn es einem keiner erklärt – woher soll man es dann wissen?

Lachen, plantschen, toben – das ist Kindheit. Echte Bewegung, echte Erlebnisse, kein Bildschirm. 🌊😄
Wer also das Gefühl hat, bei ihm läuft alles prima – herzlich willkommen trotzdem, aber ihr dürft die nächsten Abschnitte gerne überspringen. Alle anderen: Lest kurz weiter. Es lohnt sich.
Was mir im Urlaub aufgefallen ist
Ich schaue mich um. Café, Restaurant, Strand, Pool. Und was sehe ich überall?
Kinder. Mit iPad. Mit iPhone. Dauerhaft, durchgehend, ohne Unterbrechung.
Jetzt – ich bin selbst ab und zu auf Instagram unterwegs, also bitte nicht falsch verstehen. Mir geht es nicht um den einen Moment, wo man das Kind kurz vor dem Tablet parkt, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken. Das sei jedem gegönnt. Das kenne ich selbst.

Was im Kinderkopf passiert, wenn der Bildschirm zum ständigen Begleiter wird – Daniel Striffler vom Fitlab Stuttgart klärt auf.
Mir geht es um „ständig“. Um das Dauerbeschallen. Und wer sich jetzt fragt: „Dani, wo ist denn da eigentlich das Problem?“ – dem erkläre ich es jetzt. Biologisch. Ohne Wertung.
Was passiert, wenn dein Gehirn nicht weiß, dass du gerade isst
Stell dir vor, du sitzt beim Mittagessen – und schaust dabei auf ein laufendes Video. Klingt harmlos. Ist es aber nicht.
Essen ist für den Körper ein hochkomplexer biologischer Vorgang, der nur dann richtig funktioniert, wenn das Gehirn aktiv daran beteiligt ist. Und genau da fängt das Problem an.
Der Verdauungsprozess beginnt im Kopf. Schon beim Anblick und Geruch von Essen beginnt der Körper, Speichel zu produzieren und Verdauungsenzyme bereitzustellen. Wer abgelenkt ist, startet diesen Prozess gar nicht richtig.
Das Sättigungsgefühl kommt zu spät oder gar nicht. Das Hormon Leptin signalisiert dem Gehirn: „Ich bin satt.“ Dieser Signalweg braucht Zeit – etwa 15 bis 20 Minuten. Wer dabei isst und gleichzeitig konsumiert, isst schneller, unbewusster und deutlich mehr als nötig. Das Ergebnis: chronisches Überessen, ohne es zu merken.
Cortisol und Stresshormone stören die Verdauung. Bildschirminhalte – besonders schnelle, bunte, laute Videos – aktivieren das Nervensystem. Der Körper schaltet in einen leichten Stressmodus. In diesem Zustand wird die Verdauung aktiv gedrosselt, weil der Körper glaubt, er müsse gerade kämpfen oder fliehen – und nicht verdauen.
Die Nahrungsaufnahme wird nicht gespeichert. Das Gehirn verknüpft Mahlzeiten mit Erinnerungen und Signalen. Wer beim Essen nie präsent ist, verliert die natürliche Verbindung zu seinem Hunger- und Sättigungsgefühl. Langfristig führt das zu gestörten Essmustern – oft schon im Kindesalter.
Kurz gesagt: Wer beim Essen nicht isst, isst falsch. Egal wie gesund das Essen auf dem Teller ist.
Was passiert, wenn Kinder permanent online sind
Kommen wir zum zweiten Teil meiner Urlaubsbeobachtungen. Und auch hier: keine Moral, nur Biologie.
Bewegungsmangel und seine Folgen. Ein Körper, der sich nicht bewegt, verkümmert – das ist keine Meinung, das ist Physiologie. Muskeln, die nicht genutzt werden, bauen ab. Faszien verkleben. Die Körperhaltung leidet. Knochen verlieren an Dichte, weil mechanische Belastung fehlt. Was ich im Fitlab bei jungen Menschen Mitte 20 immer häufiger sehe – dazu gleich mehr.
Auszeit in den Bergen – wenn Nebel und Regen zur Ruhe einladen
Das Default Mode Network – warum Langeweile lebenswichtig ist. Das klingt erstmal komisch, aber: Langeweile ist für das kindliche Gehirn essenziell. Wenn das Gehirn keine äußeren Reize verarbeitet, schaltet es in den sogenannten Ruhemodus – das Default Mode Network. In diesem Zustand verarbeitet es Erlebnisse, entwickelt Kreativität, löst Probleme und baut soziale Empathie auf. Wer seinem Kind jeden stillen Moment sofort mit einem Bildschirm füllt, raubt ihm genau diese Entwicklungszeit. Kinder, die nie langweilen dürfen, lernen nicht, sich selbst zu beschäftigen – und verlieren langfristig die Fähigkeit zur Konzentration.
Dopamin und die Reizüberflutung. Jedes Wischen, jedes neue Video, jede Benachrichtigung löst eine kleine Dopaminausschüttung aus. Der Körper gewöhnt sich daran – und verlangt immer mehr Reiz für die gleiche Wirkung. Das ist kein Charakterfehler, das ist Neurologie. Und es macht deutlich, warum schlechte Bildschirmgewohnheiten so schwer wieder loszuwerden sind: Einmal nicht aufgepasst – und zack ist die Gewohnheit da. Genau wie jede andere auch.
Schlaf und Regeneration leiden massiv. Bildschirmlicht – insbesondere das Blaulicht moderner Displays – unterdrückt die Melatoninproduktion. Kinder, die abends noch am iPad sitzen, schlafen schlechter ein, schlafen weniger tief und regenerieren weniger gut. Das betrifft nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch die geistige.
Soziale Kompetenz entwickelt sich im echten Leben. Mimik lesen, Körpersprache verstehen, Konflikte aushalten, Empathie zeigen – all das lernt man nicht auf einem Bildschirm. Diese Fähigkeiten entstehen im direkten, analogen Miteinander. Je weniger davon stattfindet, desto schwieriger wird es später.
Wall-E lässt grüßen
Wer den Disney-Film Wall-E kennt, weiß, wovon ich spreche. Eine Zivilisation, die sich nicht mehr bewegt, nicht mehr denkt, nicht mehr miteinander redet – und das als völlig normal empfindet.
Ich sage nicht, dass wir da sind. Aber ich sage: Im Fitlab Stuttgart fällt mir immer häufiger auf, dass junge Menschen Mitte 20 in einer körperlichen Verfassung ankommen, die mich ehrlich gesagt nachdenklich macht. Nicht zwingend, weil sie stark übergewichtig wären. Sondern weil sie extrem unbeweglich sind, kaum Grundkraft haben und ihren eigenen Körper kaum noch spüren.
Das ist kein Angriff auf eine Generation. Das ist das Ergebnis von Gewohnheiten, die sich still und leise eingeschlichen haben – bei Kindern, die irgendwann selbst Erwachsene werden.
Technik ist nicht mehr wegzudenken. Ich will sie auch gar nicht wegdenken. Aber wir sollten gemeinsam dafür sorgen, dass wir nicht auf ein Wall-E-Ende zusteuern. Ein bisschen mehr Bewegung, ein bisschen mehr Stille, ein bisschen mehr echtes Miteinander – das ist keine große Revolution. Das ist gesunder Menschenverstand.
Vielleicht konnte ich heute etwas Licht ins Dunkel bringen.

Kinder tun nicht, was wir sagen. Sie tun, was wir tun.
Ich freue mich auf euren Besuch.
Euer Dani – aus dem Fitlab im wunderschönen Heusteigviertel 🖤

Hi Dani, danke dir für die ehrlichen Worte. Das mit der Biologie beim Essen hat mich echt kalt erwischt – dass der Körper die Verdauung quasi vergisst, wenn man nebenher glotzt, war mir so gar nicht bewusst. Und ganz ehrlich: Da ertappt man sich als Erwachsener vor dem Laptop ja oft genug selbst.